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Buchtipp August 2017

Françoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten

München: Carl Hanser-Verlag 2016

Nichts, um sein Haupt zu bettenDies ist der atemberaubende Fluchtbericht einer jüdischen Buchhändlerin während des Zweiten Weltkrieges. Die Autorin erzählt uns die hochspannende Geschichte ihres Überlebens in Romanform.

Die „unbekannte Heldin“ Francoise Frenkel wurde 1889 in Polen geboren. Schon in ihrer Jugend ging die Jüdin nach Frankreich, studierte in Paris. Anfang der zwanziger Jahre hatte sie die Idee, in Berlin eine französische Buchhandlung zu eröffnen, die erste in der deutschen Reichshauptstadt.

Man riet ihr zwar ab, sie tat es trotzdem – und es wurde ein Erfolg. Der Buchladen entwickelte sich zu einem Ort des kulturellen Lebens und Austauschs. Intellektuelle, französische und deutsche Autoren, Leser und auch Diplomaten trafen sich hier.

Mit der Machtübernahme der Nazis wird ihr das Leben immer schwerer gemacht. Der Verkauf französischer Literatur wird verboten. Bis kurz vor Ausbruch des Krieges verharrt Frenkel dennoch in der Stadt. Als die Nationalsozialisten ihre geliebte Buchhandlung beschlagnahmen, muss sie Berlin verlassen und zurück nach Frankreich gehen.

Zunächst flüchtet Francoise nach Paris. Wenig später begibt sie sich in den nichtbesetzten Süden des Landes, wo die französischen Juden unter dem Vichy-Regime zunächst noch einen gewissen Schutz genießen.

Doch der Alltag der Flüchtlinge nimmt chaotische Formen an. Hunderttausende blockieren die Straßen nach Süden, es ist fast unmöglich, irgendein Quartier zu finden.

In den ersten Wochen ihrer Flucht kam Frenkel in Avignon unter, dann in Nizza. Fast täglich musste sie sich um neue Registrierungen und Aufenthaltsgenehmigungen bemühen und andere Unterkünfte suchen. Unvorstellbare Bürokratie, ständig wechselnde Vorschriften und Gerüchte sorgten bei den Flüchtenden für ein Wechselbad der Gefühle. Auf zaghafte Hoffnungen folgten immer wieder Enttäuschungen und Ängste.

Dass Francoise Frenkel der Deportation entging, verdankte sie der rückhaltlosen Hilfsbereitschaft vieler französischer Mitbürger, die sie von Versteck zu Versteck reichten. Diese Menschen setzten ihre eigene Existenz aufs Spiel, um die Juden vor dem Zugriff der Gendarmen zu schützen. Einige ließen sich ihre Hilfe allerdings auch teuer bezahlen. Und wieder andere entpuppten sich als Opportunisten und Verräter.

Die letzten Monate ihrer Odyssee verbrachte Francoise in der italienischen Zone im Südosten Frankreichs. Fremde organisierten ihr ein Schweizer Visum, doch als Jüdin durfte sie das Land ja nicht verlassen. Nach dem dritten Versuch endlich gelang ihr mit letzter Kraft im Juni 1943 die Flucht in die neutrale Schweiz. Da war sie 53 Jahre alt und am Ende ihrer Kräfte.

Noch unter dem Eindruck des Schocks, aber endlich in Freiheit, begann die Buchhändlerin mit der Niederschrift ihrer Erinnerungen.

Unter dem Titel „Nichts, um sein Haupt zu betten“ erschien das Buch im Jahr 1945 in einem kleinen Schweizer Verlag - und geriet bald in Vergessenheit.

Erst Jahrzehnte später wird ein Exemplar per Zufall auf einem Flohmarkt in Nizza wiederentdeckt. 2015 erscheint der an Intensität kaum zu überbietende Bericht im Pariser Verlag Gallimard. Der Literarturnobelpreisträger Patrick Modiano schrieb für diese ungewöhnliche Lebensgeschichte ein einfühlsames Vorwort.

Dem Hanserverlag ist es zu danken, dass dieses unschätzbare literarische Zeugnis, diese Hommage an jene, die ihr Leben einsetzten, um andere zu retten, nun auch in deutscher Sprache vorliegt.

 Buchtipps der vergangenen Monate:

  • Juli 2017: Claudia Pineiro: Ein wenig Glück
  • Juni 2017: Petina Gappah: Die Farben des Nachtfalters
  • Mai 2017: Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre
  • April 2017: Renate Ahrens: Das gerettete Kind
  • März 2017: Marilynne Robinson: Gilead
  • Februar 2017: Isadora Duncan: I've only danced my life
  • Januar 2017: Sarit Yishai-Levi: Die Schönheitskönigin von Jerusalem

 

  • Dezember 2016. Brigitte Glaser: Bühlerhöhe
  • November 2016: Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte
  • Oktober 2016: Lars Mytting: Die Birken wissen`s noch
  • September 2016: Alexander Maksik: Die Gestrandete
  • August 2016: Naomi Wood: Als Hemingway mich liebte
  • Juli 2016: David Foenkinos: Charlotte
  • Juni 2016: Katharina Winkler: Blauschmuck
  • Mai 2016: Per J. Andersson: Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden
  • April 2016: Isabel Bogdan: Der Pfau
  • März 2016: Sabine Rennefanz: Die Mutter meiner Mutter
  • Februar 2016: Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe
  • Januar 2016: Claire Hajaj: Ismaels Orangen

 

  • Dezember 2015: Verena Boos: Blutorangen
  • November 2015: André Herzberg: Alle Nähe fern
  • Oktober 2015: Frances Itani: Requiem
  • September 2015: Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
  • August 2015: Catherine Chanter: Die Quelle
  • Juli 2015: Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand
  • Juni 2015: Stephanie Bart: Deutscher Meister
  • Mai 2015: Donna Tartt: Der Distelfink
  • April 2015: Charles Lewinsky: Kastelau
  • März 2015: Ulla-Lena Lindberg: Eis
  • Februar 2015: Hans Meyer zu Düttingdorf: Das Bandoneon
  • Januar 2015: Anna Funder: Alles was ich bin

Lesestart

            

(Vor-) Lesespaß für die Kleinsten

 

Das Projekt „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“ möchte Eltern und Großeltern wieder vermehrt zum Vorlesen bewegen. Für dieses Vorhaben ist die Stadtbücherei, mit ihrem Schatz an Büchern, genau der richtige Ort!

 

Ab sofort können alle 3-jährigen Kinder und ihre Eltern ein kostenloses Lesestart-Set bei uns in der Bibliothek erhalten.

Weitere Informationen finden Sie unter www.lesestart.de

 

Bundesgesetzblatt Teil I

Fundstellennachweis A mit den maßgeblichen Gliederungsnummern

Der seit 1952 jährlich vom Bundesministerium der Justiz herausgegebene Fundstellennachweis A [...] ist seit 2012 nicht mehr in gedruckter Fassung erhältlich und steht jetzt auf der Internetseite der Bundesanzeiger Verlag GmbH (http://www.bundesgesetzblatt.de) über den kostenlosen Bürgerzugang im PDF-Format zur Verfügung.

(Quelle: Bundesgesetzblatt Teil I, 2014 Nr. 1)

 

 

(Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de)

Animationsfilm "Bibliotheksangebote für Alle"

Ein Animationsfilm (ohne Sprache)

Die dbv-Kommission Interkulturelle Bibliotheksarbeit stellt einen Animationsfilm ohne Sprache zur Verfügung. Im Film zeigen Figuren, wie ein Bibliotheksbesuch ablaufen kann, wie eine Bibliothek aussieht und welche Möglichkeiten sich für die Nutzung anbieten. Die Form „ohne Sprache“ wurde von der Kommission bevorzugt, damit der Animationsfilm auch ohne Deutschkenntnisse verständlich ist.

Viel Spaß beim Anschauen!                           (www.bibliotheksverband.de)

Bibliotheksangebote für alle

Digital-Kompass für Senioren

Über 10 Millionen Bundesbürger im Rentenalter nutzen täglich das Internet. Viele geben ihr Wissen gern an andere weiter. Um sie in ihrem Engagement zu unterstützen haben die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisation (BAGSO) und der Verein Deutschland sicher im Netz (DsiN) den Digital-Kompass (www.digital-kompass.de) erstellt. Auf dieser Plattform finden Nutzer Lehrmaterialien und praktische Hinweise für ihre Schulungen und Beratungen älterer Menschen sowie für den Informationsaustausch zwischen Gleichgesinnten.

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